Christoph Schrempf (1860-1944)

Publizist, Theologe, ReligionsphilosophWegbereiter der Existentialphilosophie

Landesk. Archiv Stuttg, AS 1, 447

Christoph Schrempf wurde am 28. April 1860 in Besigheim geboren. Er stammte aus einfachsten Verhältnissen. Sein Vater war Schuhmacher und ein gewalttätiger Trinker, was 1865 zur Trennung der Eltern und zur Flucht der Mutter mit den drei Kindern (Christoph war der zweitälteste Sohn) nach Kleiningersheim führte. Dort lebte und arbeitete der ältere Bruder der Mutter, ein unverheirateter Volksschullehrer und überzeugter Pietist.

Ab 1873 besuchte Schrempf, der unter Kurzsichtigkeit litt und schon sehr früh auf dem rechten Ohr ertaubte, das private Volksschullehrerseminar Tempelhof bei Crailsheim. Im Alter von 17 Jahren kam er nach Stuttgart, wo er eineinhalb Jahre lang als Lehrer an einer pietistisch geführten Elementarschule arbeitete. Der außergewöhnlich kluge junge Mann, der privat Latein und Griechisch gelernt hatte, besuchte zwischen 1878 und 1879 das «Gymnasium illustre», das humanistische Gymnasium in Stuttgart. Dort durchlief er zunächst im Schnellverfahren alle Klassen, um dann regulärer Schüler in der Oberprima, der obersten Klasse eines Gymnasiums, zu werden. Er bestand das sogenannte «Konkursexamen», die erweiterte Abiturprüfung zur Aufnahme ins Tübinger Stift, als Primus. Damit erhielt er ein Stipendium zum Wohnen, zur Verköstigung und zum Studieren im Evangelischen Stift in Tübingen. Nur durch dieses Stipendium konnte sich Schrempf das anschließende Theologiestudium überhaupt erst leisten, dass er zwischen 1879 und 1883 an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen absolvierte. Er trat 1884 in den Kirchendienst ein und erhielt 1886 eine Pfarrstelle in Leuzendorf im Dekanat Blaufelden.

1891 geriet er in eine schwere Glaubenskrise. Anlass bildete ein Taufgottesdienst, in dem Schrempf das Apostolische Glaubensbekenntnis, so wie es die kirchlichen Vorschriften verlangten, verweigerte, weil für ihn Aussagen wie beispielsweise «empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, aufgefahren in den Himmel» keinen existentiellen Wahrheitsgehalt bildeten und seinen Überzeugungen widersprachen. Obgleich sein Vergehen von der Kirchengemeinde nicht bemerkt wurde, zeigte er sich selbst beim zuständigen Dekan an und verlautbarte, dass er es bei Taufen zukünftig immer so halten werde und fortan nur noch das in der Seelsorge und in der Verkündung vertrete, was er auch selbst glauben könne. Das wiederum führte zum erbitterten Streit mit der Kirchenbehörde, was großes, überregionales Aufsehen erregte und schließlich 1892 zu seiner fristlosen Entlassung aus dem Kirchendienst ohne Pensionsansprüche führte.

Danach arbeitete Schrempf in Stuttgart als Redner, Privatdozent und Schriftsteller. Er publizierte zwischen 1893 und 1898 seine eigene Zeitschrift («Die Wahrheit») und hielt ab 1894, mit Unterbrechungen während des Ersten Weltkriegs, religiöse Sonntagsreden in der Liederhalle und im Festsaal des Karlsgymnasiums. Zwischen 1895 und 1906 unterrichtete er deutsche Sprache, Literatur und Mathematik an der Knosp‘schen Schule (einer privaten Höheren Handelsschule) in Stuttgart. 1906 promovierte Schrempf an der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen zum Doktor der Philosophie; wenige Monate danach wurde er an der Technischen Hochschule Stuttgart habilitiert. Von 1906 bis 1921 war unbesoldeter Privatdozent und ab 1919 (titulierter) außerordentlicher Professor. 1909 trat er aus der Kirche aus. Im Dritten Reich wurde Schrempf das öffentliche Reden und Auftreten verboten.  

Wissenschaftlich verdient gemacht hat sich Schrempf vor allem um den dänischen Religionsphilosophen und Begründer der Existentialphilosophie Sören Kierkegaard (1813-1855), dessen Werke er ins Deutsche übersetzte und damit erstmals in Deutschland publik machte. Etliche von Schrempfs Reden sind als Bücher erschienen. Zu seinen Hauptwerken gehören:  «Menschenlos. Hiob-Oedipus-Jesus-Homo sum» (1900), «Martin Luther – aus dem Christlichen ins Menschliche übersetzt – ein Versuch» (1901), «Vom öffentlichen Geheimnis des Lebens» (1919/1920) sowie «Theologie» (1929/30). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1930/40.  

Wissenschaftlich verdient gemacht hat sich Schrempf vor allem um den dänischen Religionsphilosophen und Begründer der Existentialphilosophie Sören Kierkegaard (1813-1855), dessen Werke er ins Deutsche übersetzte und damit erstmals in Deutschland publik machte. Etliche von Schrempfs Reden sind als Bücher erschienen. Zu seinen Hauptwerken gehören:  «Menschenlos. Hiob-Oedipus-Jesus-Homo sum» (1900), «Martin Luther – aus dem Christlichen ins Menschliche übersetzt – ein Versuch» (1901), «Vom öffentlichen Geheimnis des Lebens» (1919/1920) sowie «Theologie» (1929/30). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1930/40.

Christoph Schrempf starb im Alter von 83 Jahren am 13. Februar 1944 in Stuttgart-Degerloch. Er war drei Mal verheiratet und hatte fünf Kinder.

1994 wurde anlässlich des 50. Todestages von Christoph Schrempf eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Kirchstraße 15 angebracht. Im selben Jahr beschloss der Gemeinderat der Stadt Besigheim, das hiesige Gymnasium nach ihm zu benennen. Es trägt seither den Namen «Christoph-Schrempf-Gymnasium». Bereits seit 1983 wird der Christoph-Schrempf-Preis in Anlehnung an den Scheffel-Preis für das beste Deutschabitur verliehen. Zudem erinnert seit 1965 eine Straße im Wohngebiet Schimmelfeld an den einstigen Publizisten, Theologen und Religionsphilosophen.

Geburtshaus von Christoph Schrempf in der Kirchstraße 15

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