Biografien

Wohnhaus in der Froschbergstraße 16, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

Februar 1923 Annelies Bücking kommt als zweites Kind des Elektrowerkmeisters Ferdinand Bücking und seiner Ehefrau, der Schneidermeisterin Frida Bücking geb. Reichle in Besigheim zur Welt und wächst in der Froschbergstraße 16 auf.

Fred Stelzig, Dezember 1940, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

April 1923 Alfred Stelzig wird als einziges Kind des Glas- und Porzellanmalers Alfred Anton Stelzig und seiner Frau Franziska im sudetendeutschen Hundorf/Kreis Teplitz-Schönau (heute Hudcov-Teplice, Tschechien) geboren.

Nach dem Besuch der fünfjährigen Volksschule in Hundorf absolviert Fred drei Jahre auf der staatlichen Realschule in Teplitz-Schönau.

Dank seiner zeichnerischen Begabung kann er von 1937 bis 1940 an der Abteilung für Zimmer- und Dekorationsmaler der dortigen Staatsschule für Keramik und verwandte Gewerbe studieren. In seinem Zeugnis wird er als «fachlich begabt, lebhaft, kameradschaftlich, fleißig» beurteilt.

Im Anschluss arbeitet er kurze Zeit für das Graph. Kunstgewerbliche und Reklame-Entwurfs-Atelier von Eduard Schreiber in Brüx sowie als Reklamezeichner im Kaufhaus Plomer & Co. in Teplitz-Schönau.

Annelies besucht ab 1929 die Besigheimer Grundschule, ab 1933 die Latein- und Realschule (heute Schule am Steinhaus). Nach ihrem Abschluss unterschreibt sie 1938 auf Drängen ihrer Mutter einen Lehrvertrag und erlernt das Schneiderhandwerk.

Während Fred sich 1943 zur Luftwaffe meldet und beim Bodenpersonal eingesetzt wird, erhält Annelies in Posen eine Ausbildung zur Funkerin und wird anschließend nach Frankreich zu einer Nachtjagdeinheit abkommandiert. Dort lernen sich die beiden kennen und verlieben sich. Am Kriegsende werden die zwischenzeitlich Verlobten voneinander getrennt: Annelies gelingt die Rückkehr in ihr Elternhaus, Fred gerät bei der Verteidigung Berlins in russische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung am 24. August 1945 aus dem Gefangenenlager Küstrin schlägt er sich nach Besigheim durch.

Am 13. Juni 1946 heiraten Fred und Annelies in Besigheim. Im Jahr darauf kommt die Tochter Sabine zur Welt.

Hochzeitsfoto von Annelies und Fred Stelzig, 1946, Quelle: Stadtarchiv Besigheim
Sabine 15 Tage alt, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

Annelies arbeitet im Schneideratelier ihrer Mutter, das sie nach deren Tod 1952 übernimmt. Fred malt Landschaftsbilder und Stillleben. Weitere Aufträge erhält Fred aus Annelies‘ Kunden- und Bekanntenkreis: Er portraitiert Besigheimer und deren Kinder.

Fred und Annelies schließen sich einem Kreis von Dichtern, Literaten und Malern an, dem Kreis der Besigheimer Freunde, der sich meist im Haus der Arztwitwe Irmgard Villinger in der Bahnhofstr. 17 trifft.

Dichterkreis im Hause Villinger, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

Die Besigheimer Maler Richard Duschek (1884-1959) und Richard Weegmann (1892-1946) unterstützen ihn; der in Sersheim wohnhafte Kunstmaler Walter Strich-Chapell (1877-1960), ein Meisterschüler Gustav Schönlebers (1851-1917), wird Fred ein väterlicher Freund.

Von 1946 bis 1948 studiert Fred Stelzig an der Freien Kunstschule Stuttgart, von 1948 bis 1950 belegt er Keramikkurse an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste.

Annelies Stelzig auf der Enzbrücke, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

1949 wird Fred Stelzig Mitglied im Verband Bildender Künstler e.V.
Regelmäßig unternimmt er Studienfahrten. Er bereist Italien, Frankreich, die Schweiz, Holland, die Türkei und die USA, Österreich, Griechenland und vor allem Finnland.
Auch das Medium Fotografie fasziniert Fred Stelzig. Er experimentiert bei verschiedenen Lichtverhältnissen und nimmt 1951 mit einigen kunstfotografischen Aufnahmen an der internationalen Photo- und Kinoausstellung in Köln teil.

1952 kann er erstmals in Besigheim ausstellen. Die Wanderausstellung Kunst im Kreis Ludwigsburg ruft großes Interesse in der Bevölkerung hervor und macht ihn einem größeren Publikum bekannt. Immer wieder gewinnt er gewichtige Kunstpreise und Auszeichnungen: 1951, 1953 und 1954 wird er Preisträger im Württembergischen Kunstpreis der Jugend.

Nach einem ersten Finnlandaufenthalt 1953 beginnt Fred Stelzig mit verschiedenen Materialien, zunächst nur Keramik, später auch Holz und Glas, zu arbeiten. Fasziniert von der Möglichkeit, Räume so künstlerisch zu gestalten, entwickelt sich sein Verständnis von Kunst am Bau.

Segelflieger Fred Stelzig, 1955, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

Als Ausgleich zu seinem künstlerischen Schaffen tritt Fred Stelzig 1951 der Segelfliegergruppe Besigheim bei, 1957 macht er den Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer.

1957 tritt als weitere Komponente im künstlerischen Wirken das Entwerfen, Weben und Knüpfen von Wandteppichen sowie das Fertigen von textilen Gestaltungen hinzu. Auf einer fünfwöchigen Reise nach Finnland machen sich Fred und Annelies Stelzig mit der «speziellen hochwertigen finnischen Wandteppichkunst» vertraut. Im Laufe der Jahre entwickeln sie ihren ganz eigenen Stil.

Fred Stelzigs Wandgestaltungen und Buntglasfenster sind sowohl bei Privatkunden als auch bei öffentlichen Auftraggebern gefragt.

Ein neues Eigenheim mit Atelier wird gebaut, 1958 zieht die Familie in den Neckarblick 24.

Familienfoto Neckarblick 24, Quelle: Stadtarchiv Besigheim

Ansehen und Anerkennung des Künstlerehepaars Stelzig steigen nicht nur im heimischen Besigheim, wo zwischen 1957 und 1994 eine Vielzahl an künstlerischen Wand- und Raumgestaltungen entsteht, sondern auch im In- und Ausland. Sie beteiligen sich mit ihren Werken an nationalen wie internationalen Ausstellungen und präsentieren Bilder, Kunstobjekte und Textilarbeiten in Einzelausstellungen.

1967 entdeckt Fred Stelzig bei einem Besuch der Keramikfabrik Steuler in Höhr-Grenzhausen die Werke des sozialen Außenseiters Josef Wittlich. Er ist von ihrem ungewöhnlichen Stil derart fasziniert, dass er beschließt, diesen Künstler bekannt zu machen. Josef Wittlich gilt heute als Klassiker der Art Brut.

Zwischen 1965 und 1978 werden Fred und Annelies Stelzig gemeinsam mit zahlreichen nationalen Preisen ausgezeichnet: 1965 mit dem Staatspreis der Bayerischen Landesregierung für Wandteppiche (München), 1966 mit dem Preis in der Ausstellung für Internationales Kunsthandwerk (Stuttgart), 1968 mit dem Staatspreis Baden-Württemberg für Wandteppiche und Wandkeramiken sowie 1978 mit dem Staatspreis Baden-Württemberg für Gobelins.

Für großformatige Wandgestaltungen reicht der Platz im heimischen Atelier bald nicht mehr aus. Von 1966 bis 1976 nutzt Fred einen zusätzlichen Raum im Erdgeschoss des städtischen Wasserturms auf dem Ingersheimer Feld (heute Vereinsheim der Gartenfreunde). Das Atelier im Neckarblick, wo Annelies mit Unterstützung weiterer Weberinnen an der Realisierung der Wandbehänge arbeitet, wird erweitert.

1969 berichtet die ARD über das Gesamtwerk des Besigheimer Künstlerehepaars. 1972 widmet die Zeitschrift Werkkunst Fred und Annelies Stelzig unter dem Titel Aus Atelier und Werkstatt eine eigene Ausgabe.

1978 erhält das weit über den Kreis Ludwigsburg hinaus wirkende Paar schließlich noch den Staatspreis für Kunsthandwerker des Landes Baden-Württemberg.

Besonders wichtig ist Fred und Annelies der Kontakt zum Publikum. Wiederholt wird das Atelier für Besucher geöffnet. Auch Rundfunk- und Fernsehteams sind stets willkommene Gäste im Hause Stelzig.

1993 feiern Fred und Annelies ihren 70. Geburtstag. In diesem Jahr erlauben zwei parallel stattfindende Ausstellungen in Ludwigsburg und Besigheim Rückblicke auf das Werk von Fred und Annelies Stelzig: Während in Ludwigsburg in einer Retrospektive Werke aus den vergangenen 30 Jahren des Künstlers gezeigt werden, stehen in Besigheim neben frühen Werken von Fred auch die Ergebnisse des über 40jährigen, gemeinsamen Schaffens im Mittelpunkt.

Mehr als 60 Jahre lang bilden Fred und Annelies eine Lebens- und Produktionsgemeinschaft: Am 13. Juni 2006 feiern sie ihre diamantene Hochzeit.

Am 16.Juli 2006 stirbt Fred Stelzig in seinem Haus im Neckarblick 24. Seine Asche wird unweit des Urnengrabs der Eltern auf dem Neuen Friedhof in Besigheim bestattet.

Am 29. September 2008 stirbt Annelies Stelzig in ihrem Haus im Neckarblick. Ihre Urne wird neben der ihres Mannes beigesetzt.

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regelmäßiger Anschluss an den Regionalverkehr Heilbronn-Stuttgart, Bahnhof Besigheim ist zentrumsnah (ca. 5 Min.)

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